Neuigkeiten von meinem Freiberger Flip
(und Geschichten zum Nachlesen von seinem Freund Aquino)

Montag, 8. Dezember 2008

Freiberger-Bericht zu Beitrag in Tiere suchen ein Zuhause

Gestern und heute kam ein (guter) Bericht zu der Arbeit von Bätzi Grossenbacher von Freiberger-Emmental im Fernsehen. (Wer ihn verpasst hat, aber gerne sehen möchte, kann sich bei mir melden, wir haben ihn aufgenommen). Hier der Bericht dazu:
Rettungsaktion für Freiberger Schlachtfohlen
Rettung in letzter Sekunde: der Hof von Tierschützerin Grossenbacher
Das Freiberger Hengstfohlen namens Hollywood ist ein Glückskind – dabei war sein Start ins Leben eher schlecht. Seine Mutter starb bei der Geburt auf dem Hof eines Schweizer Züchters, wodurch auch das Leben des Neugeborenen in Gefahr war. Aber Hollywood hatte Glück im Unglück, denn auf einem anderen Hof kam zur gleichen Zeit ein Fohlen tot zur Welt. Und so zog das gerade einmal vier Tage alte Hengstfohlen um.
Nach erstem Zögern nahm die Mutter des toten Fohlen den verwaisten kleinen Hengst an und der neue Besitzer zog ihn liebevoll auf. Sieben Monate später jedoch geriet Hollywood wieder in Gefahr: Da sich kein Käufer für ihn fand, erwog sein Besitzer, ihn zum Schlachter zu bringen.
Fohlenfleisch in der Schweiz: gut bezahlt
Die Züchter von
Freibergern verkaufen ihre Fohlen meist zum Wintereinbruch. Die Nachfrage aus Reiterkreisen ist allerdings bei Weitem nicht so groß wie das Angebot. Dennoch lassen viele Züchter – in der Regel Bauern, die mit der Zucht eine Art Nebenerwerb betreiben – ihre Stuten jedes Jahr decken. Am Bedarf des Reitsportmarkts züchten sie zwar vorbei, aber der Metzger kauft jedes Fohlen.
Bis zu 2.000 Freiberger Fohlen sterben jährlich auf Schweizer Schlachthöfen. Das Problem: Die „Produktion“ der Fohlen bis zum ersten Winter ist kostengünstig – es entstehen kaum Futter- und Stallkosten, solange die Tiere mit den Müttern auf der Weide leben. Der Fleischpreis ist hoch, Metzger in der Schweiz zahlen sehr gut, viel mehr als ein Metzger in Deutschland. Außerdem subventioniert die Schweiz das Züchten mit Großvieheinheit und Zusatzprämie. Damit steigt der Reiz zu züchten noch mehr.
Viele Züchter fürchten, dass sie nach der Aufzucht der Pferde nicht den von ihnen anvisierten Preis bekommen und verkaufen die Tiere deshalb lieber gleich an den Schlachter, statt später auf den Kosten sitze
n zu bleiben.
Die Schweiz verbietet die Ausfuhr der Fohlen zum Schlachten ins Ausland, das rettet sie vor qualvollen, langen Massentransporten. Schlachtfohlen aus Deutschland hingegen werden kreuz und quer durch Europa gekarrt.
Rettung per Internet
In diesem Jahr ist das Interesse an Fohlen besonders gering. Auch für Hollywood rief niemand an. Sein Besitzer wollte Hollywood eigentlich nicht schlachten lassen: „Ich züchte nie für den Metzger. Das ist nie mein Ziel.“ Deshalb wandte er sich an die Hobbyzüchterin und Pferdenärrin Bätzi Grossenbacher.
Hobbyzüchter, Pferdenarren, Tierschützer: Bätzi und Beat Grossenbacher
Sie und ihr Mann sind echte Pferdenarren. Auf den jährlichen Fohlenschauen mussten sie beobachten, wie auch die schönsten Pferde zum Schlachter gebracht wurden. Um wenigstens einige von ihnen zu retten, richtete das Ehepaar eine Internetseite ein, auf der die Schlachtkandidaten eine zweite Chance erhalten.
Züchter können dort ihre Pferde einstellen, die sich nicht verkaufen ließen – allesamt mit Foto und Beschreibung sowie geplantem Schlachttermin.
Gemeinsam mit ihrer deutschen Tierschutzpartnerin Conny Zur Mühlen, sucht Bätzi Grossenbacher zwischenzeitlich nach Pferdeliebhabern, die die Fohlen rechtzeitig vor dem Todesdatum kaufen. Sie führen Vermittlungsgespräche, um soweit wie möglich sicher zu stellen, dass die Tiere artgerecht gehalten werden, dass sie einen guten Platz bekommen.
Außerdem sind sie für Interessenten ein zuverlässiger Ansprechpartner. Denn die entscheiden sich schließlich nur per Foto und Beschreibung für ihr Pferd. So kümmert Bätzi Grossenbacher sich im Sinne des Tierschutzes um die „Vermarktung“ der Tiere, nutzt das Internet für eine bessere Verbreitung. Die meisten Bauern wären damit überfordert.
Käufer aus Deutschland
Per Sammeltransport gelangen die Fohlen nach Deutschland
Da viele der Interessenten aus Deutschland kommen, organisiert Conny Zur Mühlen mit viel Aufwand den ganzen Herbst über Sammeltransporte. Züchter, die ein Fohlen über das Internet verkaufen konnten, liefern die Tiere zum vereinbarten Termin bei Bätzi Grossenbacher an. Gemeinsam reisen die Fohlen dann zu einem Sammelplatz in Deutschland, wo die neuen Besitzer sie abholen. Viel Stress also für die Jungtiere, die gerade erst von ihrer Mutter getrennt wurden. Auch für die Tierschützer ist das nerv- und zeitraubend, rettet aber vielen Fohlen das Leben. Die Käufer bekommen ihren Freiberger allerdings nicht zum Schleuderpreis. Die Tierschützer arbeiten zwar ehrenamtlich, andere Dinge müssen aber bezahlt werden: der Fleischpreis pro Kilogramm zuzüglich der Kosten für die Zucht- und Gesundheitspapiere, anteilige Transportkosten, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer. Trotzdem: Das ist weit günstiger als der übliche Marktwert. Die Züchter haben keinen Verlust, denn sie erhalten das Geld, das ihnen der Metzger zahlen würde.
Auf diese Lösung hoffte auch Hollywoods Besitzer. Leider zunächst ohne Erfolg. Doch die Rettung kam doch noch in letzter Minute: Eine Interessentin, die auf Bätzis Grossenbacher Internetseite nach einem Stutenfohlen suchte, sah sein Foto, las seine Geschichte und verliebte sich spontan.
Freiberger
Freiberger sind eine 500 Jahre alte Schweizer Pferderasse, die zunächst als reine Kaltblüter, also als Arbeits- und Kriegspferde, gezogen wurde. Inzwischen wurde der Freiberger mit Einzüchtungen von leichteren Reitpferdrassen und Vollblütern umgezüchtet auf ein heute ideales Freizeitpferd.
Freiberger sind ausdauernd, robust und widerstandsfähig. Sie gelten als zuverlässig, gutmütig, haben einen ausgeglichenen Charakter und einen „klaren Kopf“. Aufgrund ihrer Gelassenheit eignen sie sich gut für Freizeitreiter und lassen sich optimal in der tiergestützten Therapie einsetzen. Auch in Reitschulen, bei Westernreiten und im Kutschenfahren werden sie immer beliebter.
Happy End für Hollywood
Für Hollywoods Reisetermin ist Conny Zur Mühlen mit dem Transporter in die Schweiz gekommen und hat den kleinen Hengst selbst beim Züchter abgeholt. Er verbrachte die Nacht mit drei anderen Fohlen in Bätzis Stall. Am Morgen kamen noch vier gerettete Freiberger hinzu und dann ging es nach Köln.
Hollywood ist das erste Pferd seiner neuen Besitzer. Er soll ein Freizeitpferd für die Familie werden.
Für über 100 Schlachtfohlen jährlich können Bätzi Grossenbacher und Conny Zur Mühlen das Schicksal wenden. Das ist aber nur ein kleiner Teil. „Auf ewig“, räumt Conny Zur Mühlen ein, „wollen wir nicht das ,Verkaufsmanagement’ für Züchter übernehmen.“
Sie fordert mit Bätzi und Beat Grossenbacher – die Einblick haben in das Zuchtgeschehen –, dass die Züchter endlich dem Reitsportmarkt angepasst „produzieren“, dass sie die übrig gebliebenen Fohlen nicht als finanzielle Belastung sehen, sondern gleich auf Qualität züchten. Ihr Konzept für eine langfristige, nachhaltige Fohlenrettung lautet: weniger züchten, gut ausbilden und werben für die Rasse.
Die Züchter stehen meist auf dem Standpunkt, dass bei den derzeitigen Preisen für ausgewachsene, reitbare Freiberger sich die Aufzucht und Ausbildung nicht lohne. Bätzi und Beat Grossenbacher wissen, dass das so nicht stimmt. Für Qualität werden inzwischen gute Preise gezahlt. Erst sieben Monate alte Freiberger zu schlachten, lehnen sie nicht nur unter Tierschutzaspekten ab. „Das Image der Freiberger wird mit jedem Jahr besser, immer mehr Freizeitreiter entdecken die Vorteile des leichten Kaltblüter“, so die Grossenbachers.

1 Kommentar:

moorea hat gesagt…

Ich habe jetzt ein paar Tage nicht mehr in Deinen Blog geschaut, da hat sich ja (wieder) einiges getan. Und Bätzis Sendung wollte ich eigentlich sehen, habe ihn aber leider verpasst!
In welcher Form liegt er Dir denn vor? Kannst mir ja mal ne Mail schicken ;-)