Neuigkeiten von meinem Freiberger Flip
(und Geschichten zum Nachlesen von seinem Freund Aquino)

Donnerstag, 18. Mai 2023

Erneuter Umzug

Im letzten Post hatte ich ja berichtet, dass am 29. April Flip mit Luke und Cash in den kleinen Laufstall eingezogen sind. Die drei Jungs haben sich ziemlich schnell und ziemlich gut eingelebt und nach einem Weilchen hat Flip auch gemerkt, dass es da oben ständig Heu gibt und man auch zwischendurch mal ein Nickerchen machen kann.  Die ersten Tage war er nämlich ständig am essen.

Es lief alles richtig gut und wir merkten, dass die Pferde da oben voll angekommen sind. 


Auf Grund eines schlimmen Krankheitsfalls wurde der kleine Laufstall am 13.05. geschlossen um das Arbeitsvolumen besser bewältigen zu können. Die 3 sollten daher zurück in die Herde integriert werden in der Hoffnung, dass alle 3 fußkranken Jungs die Umstellung packen. 

Wir waren von der Nachricht über die Vorfälle und, dass der kleine Laufstall geschlossen wird, so vor den Kopf gestoßen, dass wir die Pferde umgehend schnappten, um am Wochenende so viel Zeit wie möglich zu nutzen, bei der Re-Integration dabei bleiben zu können. 

Luke und Cash haben sich in die Herde ziemlich gut und schnell eingefunden, aber Flip war erst total irritiert und dann zog er los um jedem zu zeigen, dass er wieder da ist und das Kommando wieder übernehmen möchte. Nicht böse, aber halt mit einem Kragen und recht forsch. Verständlich, aber nicht gerade einfach und die Tatsache, dass er auch nicht rennen, bocken, galoppieren oder steigen soll, hat er auch missachtet. Es war eine den Umständen entsprechend angespannte Atmosphäre und es ist auch nicht so einfach selber 3 neue Pferde zurück in die Herde zu tun. Wir haben zwar schon viele Integrationen mitgemacht, aber 3 Pferde auf einmal ist eine andere Nummer.  

Ruckzuck hat man eine ganze Traube Pferde um sich und wir wollten ja auch nicht, dass irgendjemand verletzt wird. Über Mittag musste ich kurz weg und habe Flip derweil in die Eingewöhnungsbox gestellt, damit er mal Pause macht und zur Ruhe kommt. Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir aber, dass es ein Fehler war ihn zurück in die Herde zu stellen. 

Er hätte sich sicherlich wieder eingewöhnt (hat sogar mit Ben Fellpflege gemacht), aber er wird da eben, so traurig es ist, nicht mehr wohnen können, wenn ich haben möchte, dass er eine Chance bekommt, wieder lahmfrei zu werden. 

Das Problem mit dem Fressständer lässt sich eben nicht beseitigen und, ob der kleine Laufstall irgendwann wieder in Betrieb kommt, kann im Moment niemand absehen. Jetzt gibt es erst einmal wichtigeres.

Am Abend haben wir dann Flip und Cash für die Nacht in die Eingewöhnungs- und Notbox gestellt und ich bin mit einem schlechten Gefühl nach Hause gefahren. Mir war klar, dass ich für Flip schnell eine Lösung finden muss, wo er gut untergebracht ist und wir uns wohlfühlen. 


Nachdem ich in der Nacht auf Sonntag dann so gut wie nicht geschlafen habe, bin ich am am Sonntag früh zum Nachbarstall gegangen um dort nach einer Box zu fragen. Auch der Nachbar war total schockiert über die schlechten Nachrichten und versprach zu helfen.

Ich hatte Glück und habe gleich eine Paddockbox angeboten bekommen und so eine Bleibe für Flip gefunden, die ganz in der Nähe ist, er weiter sein gewohntes Umfeld für Spaziergänge und Ausritte hat, eine Chance hat seine früheren Kumpels weiterhin zu sehen, die Reit-/Pflegebeteiligungen weiter kommen, und ich den Kontakt zu den anderen halten kann. 

Vom Kopf her klingt das alles toll und ich bin auch heilfroh, dass wir dort untergekommen sind.... allerdings war der Pferdehof 14 Jahre unser zu Hause und der neue Stall jetzt ist doch eine große Umstellung. Flip hat jetzt nur noch eine Box die so ca 3 auf 3 m groß ist mit kleinem Paddock. Natürlich besser als eine Innenbox oder ohne Paddock, aber doch nicht wirklich groß und ungewohnt.

Ich habe dann die nötigsten Sachen gepackt, den Schrank drüben eingeräumt und bin nach einem Spaziergang mit Simone und Lasse mit Flip eingezogen.

Flip verstand die Welt nicht mehr und fand so ziemlich alles gruselig. Es war einfach in den ganzen letzten Wochen ziemlich viel, was ihm zugemutet wurde. Die Klinik mit der Isolationsbox, die Umzüge, das ständige Hin und Her von Herde zu Eingewöhnungsbox, zu Notbox, dann in den kleinen Laufstall, wieder zurück in die Herde und nun der Umzug... haben ihn total aufgeregt und mich auch.

Er lief in der Box ständig im Kreis, wieherte und war mit den Nerven komplett durch. Das Paddock blieb daher auch 2 Tage zu.

Am Vormittag hätte ich mich gar nicht getraut ihn noch mal aus der Box zu nehmen so war er durch den Wind. Nachmittags kam ich dann noch mal, denn ich wollte ihm seine kleine, eigene Koppel zeigen, damit er am Folgetag, wenn er rausgebracht wird, weiß wo es hingeht und wie groß die Koppel ist. 

Mit dem aufgeregten Flip, der zwischendurch ständig einen Happen Gras für die Nerven gebraucht hat, bin ich dann zu seiner Koppel, wo er aber doch recht entspannt an der Hand gegrast hat. 

Die Koppel fand er schon mal gut. 

Auch die nächsten Tage war er noch sehr aufgeregt und egal, ob kleine Halle, Sandplatz, große Halle alles war irgendwie spooky und wir taten uns richtig schwer mit dem Einleben. 

Die anderen Einsteller - es sind immerhin 80 Pferde- sind nett, redeten uns gut zu und das Paar, das mistet ist auch total lieb. Das macht die Umstellung leichter. 

Mit Hilfe von verschiedenen alten Freunden und Herdenmitgliedern konnten wir uns trotzdem zu Spaziergängen wagen und ich würde jetzt sagen, nach den 5 Tagen, die vergangen sind, ist er nun wieder einigermaßen er selber. 

Ich habe aber auch gemerkt, dass ich ihm wahrscheinlich keine so große Hilfe war, weil ich selber mit den Nerven ziemlich durch bin. 

Zum Glück haben mir beim Spaziergang Carina, Jenny und gestern Nici geholfen bzw ihn abgenommen. Nici zeigte ihm dann auch gestern gleich noch mal die große Halle, die Waschbox und den Außenplatz. Schritt für Schritt bemühen wir uns, dass er dort im Stall richtig ankommt und ich bemühe mich auch etwas zur Ruhe zu kommen.
Ich habe ihm Silence- Kräuter mit Baldrian und Hopfen und so gekauft, denn ich denke das schadet nicht. Mir habe ich gestern Abend gleich mal davon, vor dem Schlafengehen, einen Tee gemacht. Also Flip findet die Kräuter nicht schlecht, (bräuchte sie vermutlich jetzt aber eigentlich bald nicht mehr), mir schmecken sie allerdings nicht.


Die Krankengymnastik- Übungen, die wir für Flip kurz vor unserem Auszug gezeigt bekommen haben, konnte ich noch gar nicht so richtig mit ihm machen, denn dafür war er einfach nicht entspannt genug. Das werde ich vielleicht heute Abend gleich nochmal ausprobieren, denn er soll ja möglichst wieder Muskulatur aufbauen.
Auch die Stoßwellenbehandlung musste erst mal verschoben werden, bis Flip so ruhig ist, dass er an einem geeigneten Platz eine Weile still stehen kann.

Wir versuchen jetzt einfach das Beste aus der Situation zu machen. 

Montag, 1. Mai 2023

Umzug in den kleinen Laufstall zu dritt

So, jetzt kann ich euch berichten wie es mit dem Umzug von Flip, Luke und Cash in den kleinen Laufstall bei uns auf dem Hof gelaufen ist. 

Am Samstag morgen wurde der Stall nach Auszug der Vorgänger-Pferde schnell gemistet, Gayana zog runter neben Sue (Danke an Anja, dass du damit ermöglicht hast, dass Flip dort im Laufstall auch einziehen konnte!), das Gatter auf den Paddocks wurde entfernt und die Trennwand im Liegebereich kam raus. 

Ruckzuck ist der neue, kleine Laufstall mit großem Liegebereich, Auslauf, großer Heuraufe außen und Eckraufe innen (in die auch, wie man sieht, 2 große Pferdeköpfe reinpassen) für die 3 Pferde bereit gewesen.





Ganz wichtig, die Raufen sind so, dass sich Flip nicht mehr reinpressen muss und so habe ich die Hoffnung, dass sich seine Schulter beruhigt und ich ihn dann mit Stoßwellentherapie und Krankengymnastik wieder aufbauen kann. Ich hoffe sehr, er läuft dann wieder lahmfrei und wir können wieder schöne Ausritte machen!

Zurück zum Umzugstag:  

Wir haben dann noch die Holzstämme, die ich von der Domäne mitgebracht hatte, aufgehängt, damit die Pferde, wenn sie Langeweile haben oder Stress abbauen müssen, etwas zu nagen haben, und fertig war alles.

Sabine, Denise und ich haben dann die Pferde in Ruhe geputzt und sind zuerst gemeinsam spazieren gegangen, haben die Pferde in aller Ruhe versorgt und 3 Jungs dann nach gemeinsamen Grasen gleichzeitig in den Stall gelassen, damit sie zusammen ihr neues zu Hause erkunden können. 

Sie waren anfangs etwas erstaunt wo sie sind und haben sich alles sehr neugierig angeschaut. 

Flip fand die Tränke dort oben anfangs irgendwie sehr seltsam, hat sich das dann aber von Luke erklären lassen.

Vor allem begannen alle 3 umgehen damit kleinste Grashälmchen aus den Ritzen der Steine zu zupfen und die Rasenkante zwischen Stall und Koppel abzunagen. Da waren sie sich einig, dass dies oberste Priorität hat. 




Es hat alles richtig toll geklappt, sie haben alles zusammen angeschaut waren friedlich und blieben auch lange total entspannt.

Sie kannten sich ja auch vom großen Laufstall auch wenn Cash sicherlich ein halbes Jahr wegen einer Hufgelenksarthrose in der Krankenbox stehen musste und die letzten 4 Wochen dann eine Paddockbox bezogen hatte.

Luke und Flip sind eh gute Kumpel und haben zusammen mit Nick ja den Spitznamen die 3 Musketiere gehabt. Schade, dass Nick nicht auch oben miteingezogen ist. Er hat (wie auch ein paar andere Kumpels) sehnsüchtig rübergeschaut und gehofft, man holt auch ihn dazu (so sah es jedenfalls aus).

Wir haben uns für Samstag,  Sonntag und den heutigen 1. Mai Feiertag extra Zeit genommen, dass wir die Pferde gut beobachten und integrieren können. 

Am Samstag hatten wir uns mit Käsekuchen, Hefezopf, Brezeln, Kaffee und guter Laune mit Stühlen direkt an den Laufstall gesetzt. Nachdem alles ganz gut geklappt hat, haben wir uns für gestern abgestimmt wer wann kommt, so dass immer jemand in der Nähe ist und die ersten Tage auch kein Pferd ganz alleine im Stall zurück bleibt. 



Es lief zwar alles in allem super gut, aber am ersten Abend hatten sich die drei dann doch ziemlich gekappelt. Es war so als hätten sie gedacht, dass sie einen netten Ausflug gemacht haben und nach der ausgiebigen Erkundung des neuen Stalls, wurde ihnen langweilig und die Stimmung kippte gegen 16 Uhr. 

Das ist auch im großen Stall immer eine kritische Zeit gewesen wenn der Hunger kommt, wenn gegen 17 Uhr gefüttert wird. 

Außerdem war an dem Tag dann gleichzeitig etwas Trubel im großen Laufstall und die Pferde hörten, dass am Pferdeanhänger ein- und ausgeladen wurde. Das sorgt auch gern für Aufregung.

Ich muss zugeben, der Stress bei den 3 Jungs ging, so wie ich es sehe, wohl von Flip aus, der Luke und Cash gleich mal klar machen wollte, dass alles auf sein Kommando hört. 

Das war absolut überflüssig, wie ich finde, denn schon durch kleine Gesten hatten Luke und Cash signalisiert, dass sie Flips Chefrolle auch in der 3er-WG akzeptieren. Wozu auch immer er die beiden dann in die Ecke hinter der Raufe drängen und Rabatz machen musste, weiß ich nicht sicher, fand es aber ärgerlich. 

Anni meinte, es hätte sicher kleine Gesten gegeben, die Flip zeigten, dass die Klärung nötig ist. Na ja, wenn sie meint ... schön war´s trotzdem nicht.

Also der Stall ist, wenn alle gemütlich und gechillt sind, wirklich sehr groß, als sie aber miteinander Stress bekommen haben und durch die Gegend traben, Hinter an Hintern hingen, stiegen... sah die Sache schon etwas anders aus. Ich war aber froh, dass auch Denise dabei war und wir uns abstimmen konnten, wann man wohl einschreiten muss.

Ich habe dann Flip, als er nicht aufhören wollte, geschnappt und 5 Minuten in der Halle rumgeführt, damit er wieder runterkommt und bin dann zusammen mit ihm wieder reingegangen. Er hat akzeptiert, dass ich solches Verhalten nicht toleriere und offensichtlich war auch zwischen allen 3 Jungs mit diesem Zwischenfall alles geklärt. Jedenfalls gab es bisher, wir klopfen auf Holz, keine weiteren Zwischenfälle.

Im Gegenteil, wir haben alle erfreut zur Kenntnis genommen, dass alle 3 Pferde schon ab der ersten Nacht wohl im Liegebereich gelegen sind und sich offensichtlich so sicher fühlen, dass sie dort oben gut schlafen. 

Gestern haben wir die Beobachtungsdistanz etwas vergrößert und haben die Jungs über den großen Laufstall hinweg (oder wenn es zu kühl wurde) vom Auto aus beobachten. Klar, um 16 Uhr waren wir auch unserem auf Beobachtungsposten und bereit im Notfall einzuschreiten. war aber nicht nötig, denn es blieb alles ruhig. Juhu!. 



Unglaublich ist, dass vor allem Flip und Luke fast ununterbrochen Heu fressen oder innen am Stroh knabbern. Da werden doch tatsächlich selten Pausen gemacht um mal ein Nickerchen zu halten. 

Ich hoffe, die Pferde merken, dass dort oben Tag und Nacht Heu zur Verfügung steht und sie nicht dauernd fressen müssen, als würde es kein Morgen mehr geben.

Bei der Kappelei hat sich Flip leider entweder selber verletzt oder eventuell auf der Innenseite des Beins einen Schmiss von Lukes Hufeisen abbekommen. Nicht wirklich schlimm, allerdings wird das Bein gerade leider dicker. 

Zum Glück haben wir Carina im Nachbarstall, die immer mit Rat und Tat zur Seite steht und mich beruhigt und beraten hat. Flip hat daher, wie man auf den Bildern sieht, entweder Tonerde oder einen Verband am Bein und ich hoffe, die Verletzung schwillt bald wieder ab.

Ich hatte heute auch schon das Gefühl, dass Flip den neuen Stall als sein neues zu Hause akzeptiert hat und er nach dem Grasen dort auch gerne wieder reingegangen ist. 

Jetzt schauen wir mal wie sich die Pferde verhalten wenn in den nächsten Tagen auch ab und zu mal einer alleine im Stall sein muss. Ich denke aber, das klappt ganz gut, denn als ich heute morgen Flip zum Verarzten rausgenommen habe, während Cash in der Halle war, hat das Luke jedenfalls nicht groß interessiert. 

Das wäre schön, wenn das alles so bleiben würde und wir da oben eine harmonische, nette Männer-WG hätten. Der Anfang lief jedenfalls gut.