Am
01.05 war es soweit. Die diesjährige Koppelsaison wurde im Stall eröffnet das
heißt die Koppel, bei der Flip mit den anderen Boxenpferden rausgebracht wird. Auf diesen "großen Tag" warten nicht nur die Pferde, sondern auch die Besitzer.

Flip ist
wieder in der selben Vierergruppe draußen wie letztes Jahr d.h. es sind wieder
die 3 Rentner und der mittlerweile fünfjährige Linjas.
Ich
hatte ehrlich gesagt etwas Bedenken bei der Konstellation, weil ich nicht
wusste, ob der Jungspund mittlerweile womöglich Führungsansprüche anmelden wird,
was Flip nicht passen würde.
Letztes
Jahr wurde mir von verschiedenen Leuten berichtet, und ich habe es zum Teil
auch gesehen, dass Flip jeden Tag mit ihm Quietscherei hatte und ihm freundlich
aber klar zeigte, dass er, als älterer und ranghöherer Wallach auf der Koppel
das Sagen hat. Ich bin daher zusammen mit Sabine und den beiden Jungs ein paar
Tage vor der Koppel zusammen spazieren gewesen und wir haben die zwei
gemeinsamen grasen lassen, damit sie schon mal etwas mehr Kontakt haben.
An
Feiertag durften die Pferde dann auf die Koppel.
Erst
durfte die Herde runter (da musste Flip natürlich gucken, als die Herde an
seiner Box runtergaloppierte) und als sie sich dort etwas beruhigt hatten, sind
auch die 4 Boxenpferde auf deren Koppel runtergeführt worden.
Wie
man das so macht, haben wir alle unsere Pferde nebeneinander aufgereiht und zu
uns hergedreht, falls sie losrennen und die Hufe in die Höhe werfen.
Naja,
es sind auch alle gerannt bis auf einen und das war Flip. Er hat direkt an Ort
und Stelle den Kopf gesenkt und angefangen zu fressen. Mal wieder völlig
unberührt vom Trubel um ihn herum graste er in aller Seelenruhe. Einerseits
nicht untypisch und beruhigend, denn so kann er sich schon nicht verletzen,
andererseits hat mir sein Zustand in diesen Wochen nicht gut gefallen. Er war
insgesamt total schlapp und müde und bewegte sich keinen Schritt freiwillig.

An
einem Tag kam ich vormittags in den Stall und er lag in seiner Box. Da habe ich
mich ganz schön erschrocken, denn das ist für ihn bisher eigentlich untypisch
gewesen. Nachdem er aber mit großem Appetit die mitgebrachte Banane verspeist
hat, war ich wieder beruhigter. Eine Kolik konnte ich so schon mal
ausschließen. Carina hat dann die Tage bei ihm Blut für ein Blutbild abgenommen
und ihn genau untersucht, denn ich habe mir Sorgen gemacht. Auch sie fand, dass
er keinen so guten Eindruck macht und in der Zeit lahmte er auch. Wir gehen
davon aus, dass er wahrscheinlich einen Arthroseschub hatte und ich habe ihm
noch ein anderes Zusatzfutter gekauft.

Seit ein paar Tagen ist er zum Glück
wieder etwas munterer und macht einen besseren Eindruck. Natürlich wurde
er durch die reduzierte Bewegung (er war nicht zu motivieren) wieder etwas
steifer, aber so ist es halt. Wir versuchen ihn weiter aufzubauen und wieder
fitter zu bekommen, müssen aber natürlich auf sein Alter und seine Tagesforma
Rücksicht nehmen.
Andrea
war an den ersten Koppeltagen auch wieder mit der Kamera dabei und hat tolle
Fotos gemacht. Auch ein schönes Bild von Flip ist dabei, auch wenn von ihm
natürlich Bilder in Aktion nicht möglich waren.
Da erinnert Lasse schon an Flip. Hat er sich Flip etwa als Vorbild genommen? ;-)
Kim hat mir noch diese schönen Bilder geschickt. Es muss also nicht Aktion sein um ein gutes Bild zu bekommen.
Meine
Bedenken wegen irgendwelchen Rangstreitigkeiten auf der Koppel waren
unbegründet und ich hoffe auch sehr, dass das so bleibt.
Nichtsdestotrotz
marschiert Flip jeden Tag zu Linjas und zeigt ihm, dass er ranghöher ist. Er
marschiert hin, macht einen Kragen, sie quietschen leise und meist rubbelt Flip
dann seinen Kopf auf dessen Rücken bevor wieder jeder seiner Wege geht .
Als
am dritten Tag beim Losmachen die Warnung kam, dass man vorsichtig sein sollte,
falls der Junge womöglich losbockt und ausschlägt, marschierte Flip in dem
Moment völlig ungerührt genau dahinter, so dass Linjas total verdattert war und
im Schritt davon lief. Dasselbe habe ich am Folgetag noch mal beobachtet und
bin aber ganz zufrieden, dass ohne Streitereien geklärt ist, wer der Chef der
kleinen Gruppe ist. Es wirkt auch so, als würde der Jungspund die Nähe von Flip
suchen, denn er steht von sich aus gerne bei Flip, der ihm durch seine ruhige
Art offensichtlich Sicherheit gibt. Sehr gut!
Ansonsten
versuche ich weiter Flip auch immer wieder auf seine Koppel zu lassen.
Simone
und ich sind da während die Jungs mähen auch ganz fleißig. Wir versuchen den
Butterblumen Herr zu werden (sie sind für Pferde giftig, werden eigentlich
nicht gefressen, sollen sich aber auch nicht noch mehr ausbreiten). Auch den
Zaun musste ich schon wieder freimähen. Über das abgemähte Gras freute sich im Anschluss die Herde.
Durch das schöne Wetter und immer mal
wieder Regen wächst das Gras unheimlich, und da die Koppel schneller abtrocknet
als der Treibgang und die unteren Koppeln, können die Jungs auch fast täglich
raus, was richtig cool ist und mich für Flip sehr freut.
Damit
wir auf der Koppel nicht nur Arbeit haben, hat Simone jetzt noch zwei
Campingstühle besorgt, auf denen wir ganz entspannt beobachten können wie Flip
und Lasse genüsslich das Gras rupfen. Ich bin sehr froh, dass ich die Koppel
anmieten konnte und Flip so ein weiteres Stück Lebensqualität bieten kann, denn
ich weiß wie wichtig ihm Gras und Koppel ist.
Ja,
er könnte damit eventuell etwas dicker werden, aber andere Pferde-Rentner sind
Tag und Nacht auf der Koppel und ich teile ihm die Zeiten schon mit Bedacht zu.
Zugegeben,
ich genieße es auch mit ihm diese quality time zu verbringen.
Wenn
er da so gemütlich grasend und zufrieden schmatzend auf seiner Koppel steht,
entspannt mich das und ich freue mich an dem Anblick.
Gestern
habe ich von Anni ein Video und ein Foto vom Koppelgang der Gruppe erhalten.
Ein Tag, den man wohl im Kalender ankreuzen muss, denn Flip galoppierte gestern
wiehernd über die Koppel, weil die Pferde auf der anderen Koppel auch
rumsprangen. Schade, dass ich es nicht live gesehen habe, aber schön, dass er
wieder etwas mehr Leben zeigt. Heute
war dann natürlich alles wieder total gechillt und wie gewohnt. Es gab das
tägliche, kurze Macho-Gehabe, er wälzte sich und freute sich über das Gras. Das
ist mein Bub!