Neuigkeiten von meinem Freiberger Flip
(und Geschichten zum Nachlesen von seinem Freund Aquino)

Sonntag, 18. Mai 2025

Chef-Aufgabe und Sommer- /Winter-Version von Flip

Am Freitag kam zu unserer kleinen Rentner-Koppelgruppe, die aus Flip, Top und Chris besteht, Sabines vierjähriger, spanische Nachwuchs dazu. Ich hatte Flip schon an der Box an ihm schnuppern lassen, aber nach kurzem „hallo“ bestand allerdings auf Flips Seite mehr Interesse daran die kleinen Grashalme und das Unkraut zu entfernen, als sich wirklich ausgiebig mit Linjas zu beschäftigen. Auch gut und besser als wenn sie sich gleich angezickt hätten 

Die 4 Jungs wurden also auf die Koppel geführt und Flip hat schnell entdeckt, dass hier wieder ein Chef gefragt ist, der gleich sagt, was zu tun ist. Die beiden haben geschnuppert, gequietscht und Flip hat ihm seinen Hinterteil an die Brust gedrückt und signalisiert, dass er hier der Chef ist, nicht gleich schlägert, aber durchaus bereit wäre die kleine Herde zu verteidigen.

Eine Verteidigung war aber überhaupt nicht notwendig, denn der Jungspund verhielt sich ruhig und wie ihm geheißen wurde, erstmal am Rand der Gruppe.

Ein paar Mal hatte Flip noch mit seiner Aufsichtsrolle zu tun, wenn die anderen Kontakt schließen wollten und er schaute, dass er alles im Auge behielt und immer zwischen Linjas und den beiden anderen stand.

Es war mal wieder richtig interessant zu beobachten wie sich die Pferde verhalten und wie Flip reagiert und seine Aufgabe als Chef managt. Es gab keine Frage wer das Sagen und alle wurden eingewiesen wie sie sich zu verhalten haben. Alles ganz ruhig und völlig ruhig.

Ab dem Zeitpunkt, als Flip einmal rückwärts vor Linjas lief um ihn am Koppelzaun zu stoppen, schien er nach einem Weilchen den Kontakt quasi freizugeben. Wir konnten diese Aktion zwar nicht gleich wirklich verstehen, aber ab dann durften sich die Pferde auch untereinander mischen, ohne dass Flip zwischen den Neuen und Top und Chris gestanden ist. 

Gestern, am zweiten Tag, hat Flip nur noch einmal kurz angefragt ob sich Linjas daran erinnert was am Vortag besprochen wurde und dann grasten alle als wäre er schon immer ein Herdenmitglied. Schön!

Ich denke, so eine kleine Gruppe tut Flip gut. Da kann er noch etwas Chef sein, aber muss keine 15 Pferde in Schach halten. 

Als gestern für die große Herde ein Neuzugang angereist ist hat Flip beim Schnuppern am Gitter einen Gesichtsausdruck gehabt, als wollte er sagen, "wie, schon wieder ein Neuer? Kam doch erst gestern einer". Aber um die Eingliederung von diesem Pferd wird sich Anni und die große Herde kümmern.

Am Donnerstag bin ich zusammen mit Vanessa noch nach der Koppel mit Flip spazieren gegangen. Wie jeden Abend nach 1,5 Stunden Gras fressen, hatte er einen kugelrunden Bauch und sah aus als würde er Nachwuchs erwarten. Wir dachten daher, ein Spaziergang würde ihm sicher guttun und damit es für ihn nicht so langweilig ist, sind wir zu Carina und Flips alten Kumpels Basti und Pic gelaufen. Auf dem Hinweg war Flip total müde und hatte eigentlich gar keine Lust, aber dort änderte sich sein Zustand. Wir wollten ihn eigentlich auf dem Auslauf am Tränkewagen trinken lassen, aber er fand es dort total gruselig. Die Planen, die unter dem Sand vorlukten und auch der Anhänger an sich war ihm mehr als suspekt. (Die Fotos sind nicht von Donnerstag, denn da haten wir keine Zeit und Hand frei für Fotos)

Wir haben die zwei Jungs noch in deren Stall begleitet, aber auch dort hat sich Flip nicht beruhigt, sondern wollte plötzlich dringend ganz schnell nach Hause. Er war aufgeregt äpfelte mehrfach und Carina hat uns dann angeboten, uns mit Basti ein Stück nach Hause zu begleiten. Davon haben dann beide Pferde profitiert, denn genau auf diesem Wegabschnitt gruselt sich Basti hin und wieder und hatte dann seinen "großen Onkel" dabei und Flip ist zu zweit ja ohnehin ruhiger. 

Als wir dann in der Nähe von unserem Stall waren, beschlossen wir, dass es nun ohne Probleme alleine nach Hause geht, Carina und Basti sind umgedreht und wir auf einen Wiesenweg abgebogen.

Da Flip aber noch eine Restnervosität in sich hatte, und immer wieder hektisch zum Gras gezogen ist, habe ich ihm irgendwann eine gelangt, denn das Verhalten ging mir mächtig auf den Nerv. Das hat Flip wiederum so verärgert, dass er gebockt hat und um mich rum gesprungen ist wobei er Vanessa ins Gras geschuckt hat. Unmöglich! Mit etwas Mühe habe ich den aufgebrachten Flip dann nach Hause geführt und hätte ihn gerne in der Halle seinen Frust loswerden lassen, allerdings war diese belegt.

Am nächsten Tag, hatte ich die Chance die Halle leer zu erwischen aber da war natürlich die Luft schon lange lange raus und er wieder im Sommermodus, bei dem er eigentlich keine großen Ambitionen hatte sich auszutoben. 

Das Verhalten am Vortag war zwar ärgerlich und unverständlich, aber so konnte Vanessa sehen, dass es von Flip auch eine Wintervariante gibt, bei der man sich durchsetzen und, die man auch händeln können muss. 

Sie war über die „Winterversion“ sehr verwundert, denn kürzlich war sie mit dabei, als wir einen Pferdespielplatz aufgebaut hatten und war beeindruckt, dass Flip so unerschrocken ist und alles mitmacht.

Bis auf die Seifenblasenmaschine, konnte ihn nichts aus der Ruhe bringen.

Diese fand er jedoch irgendwie gruselig und machte große Augen. das Ergebnis sind diese schönen Fotos, die Andrea gemacht hat:



Es war mal wieder schön mit so vielen Pferden so viele abwechslungsreiche Spielsachen aufzubauen und Andrea hat für alle richtig tolle Fotos gemacht. 
Sie hat Spaß daran umgestellte Aufnahmen unauffällig aus der Ferne zu machen und hat die Stallgemeinschaft mit tollen Schnappschüssen vom Spielplatz, aus dem Stall und von der Koppel überrascht. Hier ein paar Beispielbilder, die mir besonders gefallen haben: 












Samstag, 3. Mai 2025

Röntgen und Koppel

Gestern hatten wir einen Tierarzttermin, denn Flip musste geimpft werden. Bei der Gelegenheit habe ich Flips Rücken röntgen lassen, da mir ja, seit er vor ca. 2 Jahren angefangen hat immer wieder zu lahmen, mein Bauchgefühl sagte, dass die Probleme eher von weiter oben kommen könnten. Außerdem hat er damals ja immer wieder beim Satteln und Absatteln gezeigt, dass ihn etwas stört. Ihr erinnert euch vielleicht, dass die Sättel immer wieder Thema waren. Der Sattler meinte sie passen, aber Flip zeigte, dass irgendetwas nicht stimmt. Immer wieder hatte ich auch beim Tierarzt angefragt, ob Flip womöglich Probleme mit dem Rücken haben könnte, aber auf Abtasten oder sonstige Untersuchungen hat er aber nie reagiert. Hätte ich mal früher auf mein Bauchgefühl gehört.

Gestern kam nämlich heraus, dass Flip über die komplette Sattellage und vor Richtung Hals Verkalkungen um die Dornfortsätze hat. Die Wirbel stoßen nicht aneinander oder so irgendetwas schlimmes, aber alle Wirbel zeigten auf den Röntgenbildern eine weiße Linie. Wenn ich es richtig verstanden habe, hat sich durch eine chronische Knochenhautentzündung oder einfach altersbedingt diese Kalkschicht gebildet, die ihm eventuell Probleme bereitet. So wie er reagiert, wenn ich aufsitzen möchte (mal ist es okay, mal macht der den Kopf hoch...), scheint es Tagesform abhängig unterschiedlich zu sein. 

Dr. B. kann mir auch nicht wirklich sagen inwieweit Flip noch reitbar ist. Es sieht aber eher danach aus, als würden wir Fußgänger bleiben. Wenn Flip einen guten Tag hat und der Sattel so angepasst ist, dass er ihn nicht drückt, kann ich eventuell ab und an mal wieder drauf sitzen, aber, dass wir ihn durch so auftrainieren können, dass ich etwas länger reiten kann, ist wohl eher unwahrscheinlich.

Ich habe es irgendwie schon die ganze Zeit gewusst, wenn es einem aber dann so bestätigt wird, ist es trotzdem frustrierend. Flip hat mich jetzt so viele Jahre getragen, da ist es kein Weltuntergang, wenn er nicht mehr reitbar wäre. Für seinen Kopf, würde es ihm/uns sicherlich gut tun mit den Jungs ab und dann wieder ausreiten gehen zu können. Nicole hat mir, als sie von der Diagnose hörte, netterweise angeboten, Flip regelmäßig als Handpferd zu Ausritten mitzunehmen. Das ist klasse und ich freue mich sehr darüber.

Die Röntgenaufnahmen werde ich mal mit Carina und meiner Trainerin anschauen und überlegen was wir mit der Diagnose machen. Bei jüngeren Pferden könnte man die Problematik wohl mit Muskelaufbau-Training in den Griff bekommen, bei Flip erschwert die Problematik mit der Schulter das Ganze aber, denn er ist ja nicht mehr voll belastbar. 

Am Nachmittag fand dann das jährliche Highlight, die Koppeleröffnung, statt. Juhu, endlich hat das lange Angrasen ein Ende.

Schon als Anni die Pferde in die Fressständer gerufen hat, hat Flip, der schon längst gemerkt hat, dass etwas im Busch ist, ungeduldig mit den Hufen aufs Gatter geklopft. Er wusste sofort was eigentlich zu tun war, konnte aber ja der Aufforderung nicht nachkommen, um wie aufgefordert, das Koppelhalfter im Fressständer abzuholen.

Als dann die Herde an seinem Paddock entlang auf die Koppel galoppierte, regte er sich schon ziemlich auf und trabte rein und raus. Er verstand nicht, warum er nicht (wie früher) mit durfte.

Als die Herde dann unten war, haben wir die 3 Rentner (Flip, Top und Chris), die zusammen auf eine separate Koppel gehen, heruntergeführt. 


Wie erwartet wäre Flip gerne galoppiert. Klar, 15 Jahre war er gewöhnt, dass er mit der Truppe auf die Koppel galoppiert, daher fiel es ihm natürlich schwer mit mir an der Hand langsam und artig herunterzulaufen. Natürlich hat es aber (mit etwas Mühe) trotzdem geklappt. Musste es auch, denn es muss gleich vom ersten Tag geklärt sein, wie der Ablauf sattfindet, damit er auch später ohne Probleme und Eile nach unten geführt werden kann. 

Flip, Top und Chris sind dann auch deutlich flotter und länger über die Koppel galoppiert, als wir erwartet hatten. Dass die Koppel nun dreieckig ist, hat die Pferde auch etwas überrascht, denn plötzlich wurde es im Eck etwas eng. Zum Glück konnten sie rechtzeitig bremsen und sie haben sich dann auch langsam wieder beruhigt und begonnen zu grasen. Wir waren aber alle aber so perplex wie wild und lange die 3 rumrennen, dass wir sie gar nicht gefilmt haben. Schade. 

Top wäre gerne noch viel länger gemeinsam über die Koppel gerannt, aber Flip hatte sich ja schon deutlich mehr als gewohnt bewegt und sich genüsslich dem Gras gewidmet.

Dass Top noch ein paar Runden um ihn rumgeflitzt ist, konnte ihn nicht aus der Ruhe bringen und auch Chris, guckte nur noch zu, also tat es Top den beiden Kumpels gleich und alle entspannten sich.

Heute früh kamen die Pferde spontan gleich morgens auf die Koppel, denn schon ab 9 Uhr sollte es regnen. Eigentlich wollte ich die ersten Tag das Herunterführen mit Flip üben, aber wie mir berichtet wurde, hat sich Flip von Margot gut runter führen lassen und sie meint, bis in ein paar Tagen kann sie beide gleichzeitig führen. Schauen wir mal. 

Die Pferde haben wieder ein paar Runden über die Koppel gedreht und dann kehrte wohl auch wider schnell Ruhe ein. So soll es sein!