Neuigkeiten von meinem Freiberger Flip
(und Geschichten zum Nachlesen von seinem Freund Aquino)

Montag, 24. Juli 2023

Kontrolltermin vom Tierarzt war ernüchternd

Nun sind die 3 Monate Schritt, die uns die Klinik verordnet hat, daher war unser Tierarzt wieder mal zu viert bei uns um ein Kontroll-Ultraschall der Schulter zu machen und zu schauen, ob die 4 Stoßwellenbehandlungen Erfolg gebracht haben. 

Als erstes sind wir vorgetrabt und da bestätigte sich, was ich eigentlich schon wusste, denn ich habe die letzten Tag hin und wieder einen kleinen Trab probiert und da fühlte es sich ziemlich unrund an. Auch ist mir aufgefallen, dass er bei Spaziergängen (vor allem bergab) immer wieder unklar läuft,

Lange Rede kurzer Sinn: Flip läuft nicht wirklich klar.

Ob er lahmte weil er noch mit der Schulter Probleme hat oder einfach, weil er durch die verringerte Bewegung sehr steif geworden ist, ist gar nicht so richtig klar. 

Es war jedenfalls sehr ernüchternd/traurig, denn ich hatte doch gehofft, dass wir langsam die Bewegung etwas steigern und traben dürften.

Die Ergebnisse des Ultraschalls habe ich dann gar nicht mehr so richtig mitbekommen oder abgespeichert. 

Also, ich glaube. der Ultraschall war gar nicht so schlecht.

Ich habe zwar auf den Monitor geschaut, aber da kann man ja als Laie nicht viel erkennen. Es hieß, dass sich die Sehnenstruktur verbessert hätte und auch die Flüssigkeit, die früher zu sehen war und durch die Entzündung kam, weg wäre. Nichtsdestotrotz wird die Verkalkung wohl nicht mehr verschwinden.

Die Tierärzte wollen nun nochmals mit der Klinik Kontakt aufnehmen und die Ergebnisse besprechen. Die Stoßwelle war ein Versuch aber keiner hatte eine wirkliche Prognose abgegeben oder versichert, dass sich dadurch viel verbessert. Das wusste ich, aber wollte es auf jeden Fall probieren. Geschadet hat es sicherlich nicht. Das Wichtigste war die Ursache für die Entzündungen in der Schulter abzustellen und zu verhindern, dass er weiter in die Fressständer drückt. 

Nun wurde mir gesagt, ich solle schauen, dass Flip tagsüber wieder mehr in Bewegung kommt. So ein älterer Herr, der noch dazu sein ganzes Leben in Herdenhaltung verbracht hat, bräuchte kontinuierlichere Schrittbewegung. 

Am Wochenende kann ich ja 2x täglich zu ihm gehen und wenn wir abends grasen gehen, findet er das prima, aber unter der Woche ist das schwierig. 

Der Tierarzt fand auch das Laufband, dass es bei uns im Stall gibt, für eine gleichmäßige Bewegung gar nicht so schlecht, allerdings bin ich mir sehr sicher, dass Flip diese Art der Bewegung absolut ätzend finden würde, da er schon Longieren total sinnfrei findet. Auch kann ich mir nicht vorstellen dass eine halbe Stunde auf dem Laufband so viel bringen würde wie eine ständige Bewegung z.B in einem Laufstall. 

Eine 24/7-Koppel ist aber für ein so leichtfuttriges Pferd, das nur schwer ein Sättigungsgefühl verspürt, auch nicht wirklich passend.

Ich  habe ich mich also im Internet und in der Gegend nach einem neuen Stall umgesehen und auch sonst alle Möglichkeiten, die vielleicht vorhanden sind, versucht abzuklären.

Alles gar nicht so einfach und wenig erbaulich, denn entweder gibt es gleichartige Fressständer, große Gruppen, steile Koppel, Erlaubnis nur ohne hintere Eisen, es ist weit weg, hat keine Halle, kleine Boxen, Selbstversorgerställe… 

Ich kenne Flip jetzt 17 Jahre und habe selber gesehen, dass er teilweise nicht ganz klar läuft, in der Box nicht so glücklich ist (er will teilwiese nach der Bewegung nicht rein) und, dass ihm auch seine Sozialkontakte fehlen. Das tut mir weh und mir war eigentlich schon bei dem Wechsel klar, dass ich mir auf Dauer etwas einfallen lassen müsste.  

Wir gehen zwar oft (im Schritt) ausreiten oder spazieren, aber das Herdenleben ersetzt das eben nicht.

Mit Basti und Pick scheint er ganz in seiner Onkelrolle aufzugehen und wenn die Jungs draußen stehen bleiben oder rückwärts laufen weil sie irgendwas erschreckt, läuft er ungerührt voran als wollte er sagen „kommt Jungs, ich gehe vor und zeige euch, dass nichts passiert“.

Auch mit anderen Pferden geht er brav mit und scheint einfach froh zu sein, wenn wir Begleitung haben, wobei wir mittlerweile auch alleine ganz gut klar kommen.


Neulich waren wir eine Runde mit seinem alten Freund Nick unterwegs und man konnte Flip anmerken dass er sich total gefreut hat. Unterwegs hat er immer wieder an Nick geschnuppert und nach dem Spaziergang standen die beiden im Hof und wollten sich gar nicht mehr voneinander trennen.

Das tut mir so leid und zerreißt mir fast das Herz weil ich ihm ein Leben bei seinen Freunden nicht mehr ermöglichen kann. Er versteht nicht warum er nicht zurück kann und ich kann es ihm auch nicht erklären.

Mittlerweile ist nun auch mir klar, dass ein Rückweg in sein altes zu Hause nicht mehr möglich sein wird. Die Ära ist nach 15 Jahren offensichtlich zu Ende, daher habe ich gestern meine letzten Sachen geholt.


Wir haben zwar im neuen Stall auch nette Leute kennegelernt, aber die Herde drüben war eben seine „Familie“, für die er sich auch Jahre lang verantwortlich fühlte und auch für mich war es ein zweites zu Hause.

Das war einmal und wir müssen uns umstellen und nach vorne sehen.

Es gibt eventuell eine Möglichkeit, die vielleicht die tägliche Bewegung und den Sozialkontakt wieder ermöglicht, von der ich aber noch nicht berichten möchte, da sie noch nicht ganz sicher ist. 

Drückt einfach mal die Daumen, dass es klappt und Flip einen neuen schönen Lebensabschnitt starten kann. Ich werde dann berichten was wir versuchen und wie es Flip damit geht.




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