Neuigkeiten von meinem Freiberger Flip
(und Geschichten zum Nachlesen von seinem Freund Aquino)

Mittwoch, 27. September 2023

Alles doch nicht ganz so cool, wie gedacht

Ich weiß, ich habe jetzt sehr lange nicht mehr geschrieben, aber nach dem Ende letzter Woche  ein neues Kapitel im Leben von Flip begonnen hat, möchte ich euch noch kurz erzählen wie es uns in letzter Zeit ergangen ist. 

Ich dachte ja eigentlich, wenn Flip zu der Rentner- und Kita-Gruppe darf, ist alles gut und ich kann mich entspannen.

Also grundsätzlich hat das mit den Rentnern und den beiden fast zweijährigen, jungen Stuten nach und nach immer besser geklappt und die Gruppe hat sich ganz gut verstanden. Ich denke, Flip hat sich da auch ganz wohl und verantwortlich gefühlt, auch wenn er ganz offensichtlich die Anwesenheit seiner Kumpels Basti und Pick oder der, seiner früheren Herdenkumpel (besonders Nick) klar bevorzugt. 

An den Jungs hing er doch sehr und es tut mir auch leid, dass er mit ihnen nicht oder auch nicht mehr zusammen wohnen kann.

Mit Basti und Pick waren wir doch öfters draußen und seine Rolle als "Onkel" kam er, wie es schien sehr gerne nach. 

Etwas Aufregung gab es, als noch ein weiterer Wallach zur Gruppe kam. Das hat Flip dann doch etwas aufgeregt und er meinte, er müsste seine neue Herde verteidigen. Auch das hat sich aber nach 2-3 Tagen gelegt. 

Immer wieder gab es zwar unruhigere Tage an denen nicht nur Flip nach den Herdenmitgliedern gerufen hat, weil ja nicht alle hinter der Halle ihre Boxen hatten, aber im Großen und Ganzen hat das mit der Pferdegesellschaft für Flip funktioniert.

Mehr Probleme hatte dafür aber leider ich. Ich habe mir doch immer wieder Sorgen um ihn gemacht, denn es gab schon einige Themen, die mich beunruhigt haben und immerhin habe ich ja die Verantwortung dafür, dass es Flip gut geht.

Eigentlich, wie ich dachte, selbstverständliche Dinge, raubten mir den Schlaf.  Wie z.B, dass Flip eben doch häufiger, wenn es geregnet hat in einer nassen Box schlafen musste, es immer unsicherer wurde, ob er über den Winter eine andere Box bekommen kann, abends oftmals nach der Koppel kein Heu gefüttert wurde (die Pferde warteten hungrig, da die Koppel zunehmend abgegrast war), Wurmkur und Abäpfeln nicht ganz so wichtig gesehen wurden (wie ich es sehe) …  

Der Haupt-Ausschlaggrund war aber, dass die Pferde eben nicht nur halbtags sondern teilweise 5 bis 11 Stunden auf der Koppel waren. Das wäre ja auch okay, aber bei um die 30 Grad ohne Schatten und auch ohne Wasser, finde ich schon nicht mehr nur grenzwertig. Das mit dem Wasser war für mich der gravierendste Punkt (neben dem Heu).

Abends war er nach der Koppel oftmals so müde, dass er auf der Stallgasse eingeschlafen ist und ich ihn dort erst einmal etwas stehen gelassen habe, damit er sich ausruhen kann.

Wir Einsteller wollten daraufhin gerne in Eigenregie dafür sorgen, dass die Pferde in Bottichen immer Wasser zur Verfügung gestellt bekommen, aber das wurde abgelehnt. Die Aussage, wem das nicht passt, der könnte gehen, hat mir dann doch eine schlaflose Nacht bereitet, denn ich hatte keinen Einstellvertrag und somit beidseitig auch keine Kündigungsfrist.

Wenn die Pferde aber ja schon im Sommer „nicht so schnell verdursten“ wie oft würden sie dann im Winter, wenn die Tränken einfrieren, Wasser bekommen?

Ich habe mich also, schweren Herzens erneut auf die Suche nach einem neuen Stall gemacht. 

Für Flip ist es aber gar nicht so einfach etwas Passendes zu finden, da ich ihn weder in eine normale Box stellen kann, da er darin zu wenig Bewegung hat, 24 Stunden Koppel für ihn nicht geeignet ist wegen Kolik- und Rehegefahr, er aber auch nicht fit genug ist in eine größere Laufstallgruppe zu ziehen. Mal abgesehen davon, dsas es dort oft Futterständer gibt oder die Pferde teilweise keine Hufeisen tragen dürfen. 

Alles Punkte, die die Stallsuche nicht gerade leichter gemacht haben.  

Sonntag, 6. August 2023

Neuer Versuch

So, nachdem jetzt die erste Versuchswoche rum ist, kann ich euch hier mal berichten was sich im Stall getan hat. 

Nachdem unser neuer Stallbetreiber gehört hat, dass sich Flip tagsüber mehr bewegen sollte,  weil er steif wurde, hat er versprochen "was zu überlegen". Paar Tage später habe ich dann das Angebot bekommen auszuprobieren, ob Flip mit der Gruppe von Rentnern und den 2 Jährlingen halbtags auf die Koppel gehen kann. 

Ich habe mich über dieses Angebot sehr gefreut, denn die Alternative wäre gewesen weiter nach einem anderen Stall zu suchen der mehr Bewegung ermöglicht. Die Stallsuche gestaltet sich allerdings ziemlich schwierig und ich habe bisher noch keinen Stall gefunden, der eine gute Alternative wäre.


Als ich letzte Woche Sonntag Abend im Stall war, fragte er, ob ich ihn gleich mal zu den anderen dazu tun möchte. An dem Abend waren allerdings auch seine "4 aktiven Stuten" mit in der Gruppe, was die Integration nicht unbedingt erleichtert hat. Das waren dann 9 Stuten, 1 Wallach und Flip als Neuzugang. 
Vor allem die eine Stute verteidigte die Herde und er wurde immer wieder verjagt und schien irgendwie nicht so recht zu wissen was das ganze Theater soll und warum alles so garstig zu ihm sind.

Irgendwann ist mit ihm dann im wahrsten Sinne des Wortes der Gaul durchgegangen. Noch dazu hat er dann in der Ferne Basti entdeckt. Seine ganze Anspannung entludt sich daraufhin in einem wilden Galopp kreuz und quer über die Koppel. 
So viel zu unserer Anweisung Flip nur in kontrollierter Schrittbewegung zu bewegen :-(. 
Er schien so, als würde er eine Lücke im Zaun suchen, durch die er sich verdrücken könnte. Zum Glück ist die Koppel aber sehr groß und er merkte dann bald, dass er sich, wenn er sich nur weit genug von der Gruppe entfernt und bei mir am Tor bleibt, einigermaßen seine Ruhe hat. 

Das war schon alles sehr nervenaufreibend und unschön. Die Stuten reagieren natürlich auch anders als es Flip von Wallachen gewöhnt ist. 

Mal abgesehen davon, dass die letzte Integration in eine ganz neue Herde bei ihm schon 15 Jahre her ist und er damals nicht auf sich alleine gestellt war sondern seinen Beschützer, Aquino, dabei hatte. Mir hat es wirklich sehr leid getan wie er angegriffen wurde, allerdings muss ich sagen, hat er es eigentlich ganz gut gemacht. Meist ist er einfach stehen geblieben und hat signalisiert, dass er keinen Streit sucht und einfach nur seine Ruhe haben möchte. Mein Guter!

Ein paar Tage später hieß es zwar, es wird von Tag zu Tag ruhiger, aber ich habe eine Situation beobachtet, die mir nicht so richtig gefallen hat. Die erwachsenen Aufpasserinnen waren nicht dabei und da wurde er tatsächlich von einem der Jährlinge angegangen. Das kleine, freche Ding, kam mit dem anderen Fohlen als Verstärkung an, rosste ihn an und weil er darauf nicht reagierte, wurde sie ärgerlich und trabte in engen Kreisen um ihn rum und schlug aus. Sie hat ihn auch erwischt, zum Glück aber nicht schlimm. Flip und ich waren schon erstaunt (und ich schockiert) wie respektlos so ein Jährling sein kann. 




Ich bin mir schon sehr sicher, dass er eine Wallachherde bevorzugen würde, aber ich bin sehr froh, dass wir überhaupt die Chance bekommen haben zu versuchen, ob er sich in dieser Gruppe einfinden kann. 

Dies wäre eine gute Chance, dass er wenigstens halbtags Bewegung hat und wir nicht schon wieder einen Stallwechsel mit Wechsel der Umgebung und allem, was dazu gehört, mitmachen müssten.

Die ersten Wochen sind sicherlich immer schwieriger, aber ich habe die Hoffnung, dass er, so selbstbewusst wie er ist, auch mit dieser Situation klar kommt. 

Damit das Heraus- und Reinführen der verschiedenen Herdenmitglieder nicht ganz so aufwendig ist, wurde ich gebeten Flip zu 3 der anderen Gruppenmitglieder hinter die Halle in eine Box zu stellen. Das sind große Gitterboxen, von denen aus er zum Teil über die Koppeln und Richtung Wohngebiet schauen kann. Sie sind unter dem Hallendach und luftig. 

Wie das im Winter läuft, müssen wir noch schauen und es wird schon überlegt, ob er dann vielleicht über den Winter doch etwas geschützter d.h. in einer anderen Box untergebracht werden könnte. Das hängt aber davon ab, ob irgendwas anderes frei wird. 

Ich hoffe, für den Winter finden wir noch eine gute Lösung, denn wenn das Wetter von Osten kommt, weiß ich ja aus Erfahrung, dass es dann dort auch in die Box schneien wird. Decken haben wir Dank Carina für Notfälle auch bekommen, das heißt irgendwie bekommen wir das hin.



Heute hat Flip einen Regen-Vormittag auf der Koppel verbracht. Ich dachte, als ich gegen 14 Uhr kam, würde er sich freuen, dass ich ihn wieder reinhole, aber Pustekuchen. Er streckte den Hintern Richtung Wind und Regen und hätte gerne noch weiter gegrast. Auf dem Weg zum Tor wollten sich dann die anderen Herdenmitglieder doch auch anschließen. 
So richtig nett wirkten sie nicht, nichtsdestotrotz war Flip irritiert, dass die anderen draußen bleiben und wollte sich nicht trennen. Er war etwas aufgeregt, wieherte und hat mich stark an Aquino erinnert, den Jenny und ich nach 2 Monaten Koppelleben bei Hannover besucht haben. Auch er schien damals in seiner Rolle als Koppelpferd voll aufzugehen und wollte sich nur sehr ungern von der Herde entfernen.
Irgendwann hat sich Flip dann aber beruhigt, später gesehen, dass die anderen auch reingeholt werden und wir konnten erst in der Halle und dann draußen im Sturm etwas spazieren gehen. 



Jetzt hoffe ich einfach, die Gruppe wächst gut zusammen und er fühlt sich wohl.
Ich könnte mir auch schon einbilden, dass er mittlerweile wieder etwas besser zu Fuß ist und ihm die Bewegung draußen gut tut. 
Ich versuche ihm jedenfalls weiter zusätzlich zur Koppel Abwechslung zu bieten, mit verschiedenen Pferden spazieren zu gehen, Bodenarbeit zu machen, den Kontakt zu seinen alten Freunden zu halten, auszureiten und ihn wieder fitter zu bekommen. 



Weiter die Daumen zu drücken, kann sicher nicht schaden!

Montag, 24. Juli 2023

Kontrolltermin vom Tierarzt war ernüchternd

Nun sind die 3 Monate Schritt, die uns die Klinik verordnet hat, daher war unser Tierarzt wieder mal zu viert bei uns um ein Kontroll-Ultraschall der Schulter zu machen und zu schauen, ob die 4 Stoßwellenbehandlungen Erfolg gebracht haben. 

Als erstes sind wir vorgetrabt und da bestätigte sich, was ich eigentlich schon wusste, denn ich habe die letzten Tag hin und wieder einen kleinen Trab probiert und da fühlte es sich ziemlich unrund an. Auch ist mir aufgefallen, dass er bei Spaziergängen (vor allem bergab) immer wieder unklar läuft,

Lange Rede kurzer Sinn: Flip läuft nicht wirklich klar.

Ob er lahmte weil er noch mit der Schulter Probleme hat oder einfach, weil er durch die verringerte Bewegung sehr steif geworden ist, ist gar nicht so richtig klar. 

Es war jedenfalls sehr ernüchternd/traurig, denn ich hatte doch gehofft, dass wir langsam die Bewegung etwas steigern und traben dürften.

Die Ergebnisse des Ultraschalls habe ich dann gar nicht mehr so richtig mitbekommen oder abgespeichert. 

Also, ich glaube. der Ultraschall war gar nicht so schlecht.

Ich habe zwar auf den Monitor geschaut, aber da kann man ja als Laie nicht viel erkennen. Es hieß, dass sich die Sehnenstruktur verbessert hätte und auch die Flüssigkeit, die früher zu sehen war und durch die Entzündung kam, weg wäre. Nichtsdestotrotz wird die Verkalkung wohl nicht mehr verschwinden.

Die Tierärzte wollen nun nochmals mit der Klinik Kontakt aufnehmen und die Ergebnisse besprechen. Die Stoßwelle war ein Versuch aber keiner hatte eine wirkliche Prognose abgegeben oder versichert, dass sich dadurch viel verbessert. Das wusste ich, aber wollte es auf jeden Fall probieren. Geschadet hat es sicherlich nicht. Das Wichtigste war die Ursache für die Entzündungen in der Schulter abzustellen und zu verhindern, dass er weiter in die Fressständer drückt. 

Nun wurde mir gesagt, ich solle schauen, dass Flip tagsüber wieder mehr in Bewegung kommt. So ein älterer Herr, der noch dazu sein ganzes Leben in Herdenhaltung verbracht hat, bräuchte kontinuierlichere Schrittbewegung. 

Am Wochenende kann ich ja 2x täglich zu ihm gehen und wenn wir abends grasen gehen, findet er das prima, aber unter der Woche ist das schwierig. 

Der Tierarzt fand auch das Laufband, dass es bei uns im Stall gibt, für eine gleichmäßige Bewegung gar nicht so schlecht, allerdings bin ich mir sehr sicher, dass Flip diese Art der Bewegung absolut ätzend finden würde, da er schon Longieren total sinnfrei findet. Auch kann ich mir nicht vorstellen dass eine halbe Stunde auf dem Laufband so viel bringen würde wie eine ständige Bewegung z.B in einem Laufstall. 

Eine 24/7-Koppel ist aber für ein so leichtfuttriges Pferd, das nur schwer ein Sättigungsgefühl verspürt, auch nicht wirklich passend.

Ich  habe ich mich also im Internet und in der Gegend nach einem neuen Stall umgesehen und auch sonst alle Möglichkeiten, die vielleicht vorhanden sind, versucht abzuklären.

Alles gar nicht so einfach und wenig erbaulich, denn entweder gibt es gleichartige Fressständer, große Gruppen, steile Koppel, Erlaubnis nur ohne hintere Eisen, es ist weit weg, hat keine Halle, kleine Boxen, Selbstversorgerställe… 

Ich kenne Flip jetzt 17 Jahre und habe selber gesehen, dass er teilweise nicht ganz klar läuft, in der Box nicht so glücklich ist (er will teilwiese nach der Bewegung nicht rein) und, dass ihm auch seine Sozialkontakte fehlen. Das tut mir weh und mir war eigentlich schon bei dem Wechsel klar, dass ich mir auf Dauer etwas einfallen lassen müsste.  

Wir gehen zwar oft (im Schritt) ausreiten oder spazieren, aber das Herdenleben ersetzt das eben nicht.

Mit Basti und Pick scheint er ganz in seiner Onkelrolle aufzugehen und wenn die Jungs draußen stehen bleiben oder rückwärts laufen weil sie irgendwas erschreckt, läuft er ungerührt voran als wollte er sagen „kommt Jungs, ich gehe vor und zeige euch, dass nichts passiert“.

Auch mit anderen Pferden geht er brav mit und scheint einfach froh zu sein, wenn wir Begleitung haben, wobei wir mittlerweile auch alleine ganz gut klar kommen.


Neulich waren wir eine Runde mit seinem alten Freund Nick unterwegs und man konnte Flip anmerken dass er sich total gefreut hat. Unterwegs hat er immer wieder an Nick geschnuppert und nach dem Spaziergang standen die beiden im Hof und wollten sich gar nicht mehr voneinander trennen.

Das tut mir so leid und zerreißt mir fast das Herz weil ich ihm ein Leben bei seinen Freunden nicht mehr ermöglichen kann. Er versteht nicht warum er nicht zurück kann und ich kann es ihm auch nicht erklären.

Mittlerweile ist nun auch mir klar, dass ein Rückweg in sein altes zu Hause nicht mehr möglich sein wird. Die Ära ist nach 15 Jahren offensichtlich zu Ende, daher habe ich gestern meine letzten Sachen geholt.


Wir haben zwar im neuen Stall auch nette Leute kennegelernt, aber die Herde drüben war eben seine „Familie“, für die er sich auch Jahre lang verantwortlich fühlte und auch für mich war es ein zweites zu Hause.

Das war einmal und wir müssen uns umstellen und nach vorne sehen.

Es gibt eventuell eine Möglichkeit, die vielleicht die tägliche Bewegung und den Sozialkontakt wieder ermöglicht, von der ich aber noch nicht berichten möchte, da sie noch nicht ganz sicher ist. 

Drückt einfach mal die Daumen, dass es klappt und Flip einen neuen schönen Lebensabschnitt starten kann. Ich werde dann berichten was wir versuchen und wie es Flip damit geht.